Gemeinsam ehrlich und mutig

Die aktuelle Ausgabe des Mitteilungsblatts des Bayerischen Gärtnereiverbands berichtet von der schwierigen Entwicklung der Mitgliederzahlen und des Verbandshaushalts, von Einschätzungen für die nächsten Jahre und davon, welche Konsequenzen die Verantwortlichen aus alldem ziehen. Zwei Dinge verdienen Respekt: Zum einen die Ehrlichkeit, mit der man im Freistaat unerfreulichen Entwicklungen ins Auge blickt. Zum anderen der Mut, sich davon nicht zu Rückzugsgefechten drängen zu lassen.

So haben die Bayern beschlossen, wichtige Verbandsleistungen für die Mitglieder nicht einfach zu kürzen und auf einen einfallslosen Sparhaushalt zu setzen. Von dem vermutet man sicher nicht zu Unrecht, dass er eine Abwärtsspirale einleiten würde. Auch Beitragserhöhungen zieht man nicht in Betracht. Glücklicherweise gibt es Finanzreserven, auf die man zurückgreifen kann, auch so etwas erfordert Mut.

Die Überlegungen der Verbandsverantwortlichen dürfen durchaus auch auf einzelbetrieblicher Ebene ermutigen. Auch da sieht es ja bei manchem alles andere als einfach aus. Das muss und soll nicht ausgeblendet werden. Eine schwierige Situation gilt es, zu akzeptieren. Dann gilt es, nach reiflicher Überlegung nicht ängstlich zu entscheiden, sondern mutig – freilich nicht übermütig.

Noch ein Anstoß aus Bayern: Entscheidungen wurden dort gemeinschaftlich getroffen, sicherlich nach mancher Diskussion. Wo Sie schwierige Entscheidungen zu treffen haben: Suchen Sie davor den Austausch mit anderen.

Christoph Killgus, DEGA GARTENBAU

Landgard: Guter Weg

Landgard ist an dieser Stelle oft kritisiert worden – auch von mir. Zur journalistischen Sicht gehört aber auch aufzuzeigen, wenn sich in einem Unternehmen etwas Positives tut. Das scheint bei Landgard so zu sein, geht man einmal von dem aus, was beim traditionellen Jahrespressegespräch Ende Juni vermittelt wurde.

Die Zahlen bei Landgard stimmen wieder. Die Sanierung des Unternehmens ist abgeschlossen, viele der berühmten kranken Töchter sind gesundet oder aus dem Unternehmen ausgeschieden. Rund 60 Töchter gibt es noch, das könnte laut Vorstand eine Zahl sein, mit der man in Zukunft gut leben kann. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Zuwächse stammt zwar aus dem Gemüsegeschäft – das ist verglichen mit Blumen und Pflanzen klein, bietet aber noch Potenzial.

Da die Sanierung abgeschlossen ist, kann sich der Vorstand nach eigenen Aussagen wieder um sein eigentliches Geschäft, nämlich die Vermarktung gärtnerischer Produkte kümmern. Der Markt bei Blumen und Pflanzen wächst seit Jahren nicht mehr, die älteren Blumenkäufer sterben weg, junge anzusprechen ist schwierig. Mit der Kampagne „1000 gute Gründe“ hat Landgard Blumenwerbung aufgelegt, die für Überraschungen sorgt. Sie ist pfiffig und dürfte auch neue Kundenschichten ansprechen.

Wissen, was in den Betrieben los ist, um dann entsprechend vermarkten zu können – das war der wichtigste Satz, den ich in den letzten Jahren bei Landgard gehört habe. Zu diesem Wissen, was in den Gärtnereien läuft, gehört laut Vorstand auch, in Notfällen zu helfen. Die Stauden von einem durch Starkregen gefluteten Stellfeld fanden zum Beispiel Platz auf 300 CC-Containern – Landgard stellte die Menge dem betroffenen Betrieb zur Verfügung. Bei Übermengen – häufig im Bereich Gemüse bei bestimmten Witterungslagen der Fall – wird versucht, mit Kunden gemeinsam Kampagnen zu fahren, um Produkte zu einem guten Preis zu vermarkten. Das alles hört sich viel mehr nach Genossenschaft und gemeinsamem Handeln für ein gemeinsames Ziel an, als alles, was noch vor zwei oder drei Jahren aus Herongen zu hören war.

Sicher ist auch heute bei Landgard nicht alles in Butter, aber die vor zwei Jahren beschworene neue Unternehmenskultur scheint jetzt zu greifen.

Keine Sorge, die Redaktion und ich werden das Unternehmen weiter kritisch begleiten – positiv wie negativ, beides gehört bei uns Journalisten ebenso dazu wie bei Landgard Blumen, Pflanzen und Gemüse.

Christiane James, Straelen

Land unter

Wochenlang fast täglich Unwetterwarnungen, Wolkenbrüche mit massiven Überschwemmungen, Erdrutschen und Schlammlawinen. Dazu Hagel so groß wie Tennisbälle, Sturmböen, Blitz-einschläge und Tornados. Meteorologen und Klimaforscher haben dieses Szenario schon lange vorausgesagt. Erwärmt sich die Atmosphäre im bisherigen Tempo weiter, dann werden wir die Folgen zu spüren bekommen, sagten sie. Mit Verschiebungen der Klimazonen und häufiger auftretenden Wetterextremen. Das scheint nun einzutreten.

Die Erderwärmung sofort auf ein Minimum herunterzufahren wäre sicherlich hilfreich, würde jedoch erst in ferner Zukunft greifen. Das ist bei trägen Systemen leider so. Kommen sie erst einmal in Fahrt, dann sind sie nur schwer wieder zu stoppen. Will aber nicht heißen, dass wir nicht trotzdem alles versuchen sollten, um einer weiteren Erwärmung Herr zu werden. Allein schon im Interesse folgender Generationen. Wer allerdings die Klimagipfel vergangener Jahre aufmerksam verfolgt, stellt fest, dass es in dem Bereich doch erheblich an Ehrgeiz fehlt.

Was bleibt uns dann? Wir müssen wohl lernen, mit den Extremen zu leben und uns auf sie einzustellen. Das fordert auf zum Umdenken und zu einer stärkeren Vorsorge. Den Gartenbau trifft es hier in besonderer Weise, denn er ist im starken Maß von der Natur abhängig. Selbst kleinste Störungen können zu Verlusten führen und unter Umständen den gesamten Betrieb gefährden. Die jüngsten Unwetter sollten daher zum Anlass genommen werden, alle Strukturen auf den Prüfstand zu stellen: Bin ich ausreichend versichert? Halten Gewächshäuser und Kulturflächen auch extremen Windböen stand? Kann ich außergewöhnlich große Wassermengen von der Fläche abführen? Bin ich auf eine Flutwelle vorbereitet? Wie sieht‘s mit der Schneelast, wie mit dem Hagelschutz aus? Habe ich ausreichend Wasserspeicherkapazität für eine wochenlange Dürre? Wie sieht mein Umfeld aus, sind Überschwemmungsgebiete inzwischen zugebaut oder Bäche kanalisiert?

Vor allem die Bauwut hat in der Vergangenheit riesige Fläche zubetoniert und der natürlichen Versickerung entzogen. Hinzu kommt die subventionierte Ausweitung des Maisanbaus. Mais festigt den Boden kaum und fördert damit die Erosion. Das alles verschärft die Situation bei Starkregen und verursacht immense Schäden. Deshalb: schauen Sie sich mal mit „Katastrophenaugen“ in Ihrer Umgebung um. Vielleicht sind Sie ja irgendwann der Leidtragende, weil ringsum alles zugebaut wurde. Sprechen Sie mit Behörden und der Politik, machen Sie Druck bei den Verantwortlichen. Denn den Auswirkungen von Unwetter können wir uns nicht entziehen. Wir können aber durch die Vermeidung von Bausünden und einer völlig unnatürlichen, industrialisierten Landbewirtschaftung sowie einer sinnvollen Vorsorge dazu beitragen, dass sie nicht in einer Katastrophe enden.

Peter Springer, Alfter

Wo bleiben die Gärtner?

Eine Informationsveranstaltung „Die essbare Stadt“ fand Ende Februar im Rathaus Hannover statt. Es traten eine Dachdeckerin und ein Fotograf als Referenten auf, berichteten von ihren Erfahrungen und konnten begeistern. Wer den fundierten Vortrag auch eines Gartenbauers erwartete, wurde dagegen enttäuscht.

Sicher: Technische und die Statik berücksichtigende Details sind wichtige Voraussetzungen für einen Dachgarten. Und Inspirationen von einem Fotografen helfen bei der Vision, die Stadtbegrünung voran zu bringen. Aber wo bleibt das gärtnerische Fachwissen? Woher beziehen die „Macher“ der Urban Gardening-Szene ihr gärtnerisches Fachwissen? Stellt man diese Fragen am Rande solcher Veranstaltungen, hört man die Antwort „Googeln“ oder „von Erfahrungen anderer“. Fachwissen wird kaum von einem gelernten Gärtner bezogen. Meist existiert noch nicht einmal der Gedanke, einen Gärtner zu fragen.

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, sich als Gärtner und gärtnerischer Fachbetrieb an vorderster Front zu positionieren. Bei der geschilderten Veranstaltung hätte genauso gut ein Gartenbauer referieren können. Neben Fachinformationen zu geeigneten Pflanzenarten, Sorten und Kultur dieser können das auch speziell beworbene Pflanzenangebote sein. Nicht jede Tomatensorte eignet sich gleichermaßen, ebenso wie sich nicht jede Staude perfekt für das urbane Grün in unseren Breiten eignet.

Urban Gardening ist ein nicht mehr wegzudenkender Trend. Doch immer noch zu wenig Gärtner befassen sich damit. Stattdessen werden die Poolpositionen der Nutznießer zunehmend von anderen Fachgebieten professionell belegt. Bleibt die Kompetenz der Gärtner auf der Strecke? Verpasst der Gartenbau hier eine große Chance? Klinken Sie sich ein, wo das Thema bei Ihnen vor Ort auf den Tisch kommt – sonst machen es andere, die weniger Pflanzenkenntnisse haben als wir Gärtner.

Dr. Gisela Fischer-Klüver, Hannover

Meinung: Nur Schwarz oder Weiß?

Wir alle wollen und sollen mündige Bürger sein, die zu jedem Thema eine Meinung haben. Das ist gut und auf dem Kontinent, auf dem wir leben, zum Glück wesentlicher Teil unserer Kultur. Manchmal geht mir diese Kultur aber zu weit, und zwar dann, wenn in ihr nur noch schwarz oder weiß gedacht und gesprochen wird. Die Graustufe, die oft einen Kompromiss enthält, fällt mittlerweile allzu häufig unter den Tisch. Auch die Medien, meine Kolleginnen und Kollegen, tragen dazu bei, dass die Graustufe immer seltener vorkommt.

Um im Medien-Dschungel noch gehört zu werden, muss man immer lauter rufen und mit immer grellerer Aufmachung daherkommen. Wer dieses System verstanden hat, kann damit viel Aufmerksamkeit erreichen. Die Graustufe aber bleibt dabei auf der Strecke. Das funktioniert auch deshalb, weil die Zielgruppe – wir Verbraucher – in der Regel ein kurzes Gedächtnis hat. So kann man fast im Wochenrhythmus neue Säue durch das Dorf treiben.

Glyphosat ist im Gartenbau gerade so ein Thema, bei dem die Graustufe auf der Strecke bleibt und viele Interessengruppen immer wieder kreativ ihren Standpunkt vertreten. Jeder hat da seine eigene Wahrheit und propagiert sie. Um die Sache immer wieder anzuheizen, kommen dann so nette Themen wie Glyphosat im Bier passend zur politischen Diskussion auf den Tisch. Ein besseres Beispiel für das Schwarz-Weiß-Denken gibt es kaum. Aber, man höre und staune, es geht auch anders. So gibt es zu diesem Thema einen Vorschlag, der der Graustufe gleicht: Verbot des Wirkstoffs für den Haus- und Kleingarten, Reduzierung mit dem Ziel des Ausstiegs für die Profis mit gleichzeitiger Unterstützung zur Entwicklung neuer, praxisgerechter Methoden und eine Zulassung für eine festgelegte kurze Übergangszeit. Der Vorschlag findet sich in einem Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion und tauchte aus den Reihen dieser Partei bereits im Herbst 2015 auf. Mit diesem Kompromiss könnten vermutlich viele leben. Er ist weder einfach schwarz noch einfach weiß.

Wenn es um schwarz und weiß geht, müssen übrigens wir uns auch als Verbraucher selbst an die Nase fassen. Lippenbekenntnisse in Weiß, handeln dann in Schwarz. Anders lässt es sich kaum verstehen, dass zwar alle bereit sind, etwas für die Umwelt zu tun, aber die meisten letztendlich nicht gewillt sind, faire Preise für landwirtschaftliche Produkte zu zahlen. Dann schon lieber eine Spende für eine der NGOs, die die Missstände in unseren Augen anprangert.

Christiane James, Straelen

Wertschätzung hausgemacht

Kennen Sie das? Nach Feierabend fahren die Mitarbeiter/-innen noch kurz am Komposthaufen vorbei, um sich Taschen, Fahrradkörbe oder Kofferräume mit den gerade vom Betrieb entsorgten Pflanzen zu füllen. Daheim werden damit Beete und Kübel bepflanzt. Wer einen einigermaßen grünen Daumen hat, genießt alsbald die blühende Pracht daheim. Ganz ohne Kosten, die Pflanzen waren ja vom Kompost.

Dem Chef ist es egal, hat er doch anderes im Kopf oder meint sogar, den Mitarbeitern etwas gegönnt zu haben. Hat er ja auch, denn ohne die Pflanzen vom Kompost wäre die Bepflanzung teuer geworden oder der Sommer farblos auf Terrasse und Balkon. Ein Nebengeschmack bleibt trotzdem: Mit den Pflanzen vom Kompost tragen die Menschen eine Anti-Wertschätzung nach Hause. Die Familie inklusive Kinder, den Kunden von morgen, lernt, dass Pflanzen nichts wert sind.

Was tun? Soll sich der Chef nach Feierabend auf die Lauer legen oder mit einer Videokamera den Komposthaufen überwachen? Das ist sicher ebenso wenig eine Lösung wie eine Stacheldrahtumzäunung.

Wie wäre es dagegen, aus der ganzen Sache eine Aufgabe für den Lehrling zu machen? Statt die verkaufsfertigen Pflanzen mangels Nachfrage zu entsorgen, könnte dieser Lehrling anhand einer Mitarbeiterliste für jeden eine Anzahl Pflanzen zusammenstellen, nett in einer Kiste präsentiert. Vielleicht kommt noch ein Etikett oder Pappschild dazu mit den Worten „Danke für die gute Mitarbeit“. Der Lehrling lernt so alle Mitarbeiter/-innen und selbständiges Arbeiten kennen. Und das Beste: Die Mitarbeiter/-innen tragen viel positive Wertschätzung nach Hause.

Stellen Sie sich die Kiste mit dem Schild daheim auf dem Tisch der Mitarbeiter/-nnen. Ich sehe sie schon vor mir, wie sie stolz ihr Geschenk ihren Lieben präsentieren. Mit stolzer Brust antworten sie jedem, der später nach den Pflanzen fragt. Ein toller Chef, der auch an die blumige Feierabendidylle seiner Mitarbeiter denkt. Wer hätte den nicht auch gern? Und die vielen, die nicht im Gartenbau arbeiten und keinen solchen Chef haben, erfahren immerhin, wo sie die Pflanzen für eine ebensolche Umgebung käuflich erwerben können. Ein Kreislauf mit vielen positiven Effekten.

Dr. Gisela Fischer-Klüver, Hannover

Schauen sie auch mal über den Zaun

Wie die grüne Branche sind auch andere Wirtschaftszweige von Veränderungen betroffen, ausgelöst durch politische Einflüsse, wirtschaftliche Rahmenbedingungen oder sich zuspitzende Konkurrenzsituationen. Hinzu kommen strukturelle Veränderungen etwa wegen sich wandelnder Kundenansprüche. Anders als früher gehen heute Veränderungsprozesse wesentlich rasanter vonstatten. Sortimente, Geschäftsmodelle, ja ganze Branchen verschwinden, wenn sie sich nicht neu erfinden. Einige Beispiele zur Situation in anderen Branchen.

Im Bäckergewerbe gehen die Öfen aus. Aufgrund der wachsenden Konkurrenz durch Großbetriebe sind kleine familiengeführte Bäckereien gezwungen, aufzugeben. So schließen in Hessen jährlich 5 % dieser Betriebe. Innerhalb von 15 Jahren ging dort die Anzahl der im Fachverband organisierten Betriebe von 1 275 auf 539 zurück. Das entspricht einem Verlust von 58 %! Die Marktanteile verschieben sich zugunsten der Ketten. Parallel dazu leidet das Bäckerhandwerk unter gravierendem Nachwuchsmangel.

Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist der Textilhandel seit 2000 um 25 % geschrumpft. Selbst der wachsende Onlinehandel konnte daran nichts ändern. Die geringeren Einkäufe bedeuten nicht, dass sich das verfügbare Einkommen verändert hat, sondern für junge Verbraucher rücken vielmehr andere Produkte wie Smartphones, Computer oder Tablets als Must-haves in den Vordergrund.

Für Kneipen und Dorfgaststätten wird es immer schwerer, über die Runden zu kommen. Ein verändertes Freizeitverhalten, mehr Mobilität und andere Kommunikationsmöglichkeiten ersetzen den Besuch in der Dorfkneipe. So ging in Rheinland-Pfalz die Anzahl an Gaststätten seit 2001 um ein Viertel zurück. In Hessen beklagt der Verband des Gaststättengewerbes einen noch höheren Rückgang.

Der Preisverfall macht den Bauern enorm zu schaffen. Die Preise für Milch, Getreide und Fleisch sind auf den Weltmärkten stark gefallen. Die produzierten Mengen werden vom Markt nicht aufgenommen, weil in wichtigen Abnehmerländern wie China oder Brasilien die Wirtschaft schwächelt. Hinzu kommt der russische Agrar-Importstop. Die Auswirkungen bekommen deutsche Bauern zu spüren, denn die Produktionskosten, insbesondere bei der Milch, liegen über den rückläufigen Erzeugerpreisen. Bauern, so ist den Verbandsnachrichten zu entnehmen, verdienten 2014/2015 so wenig Geld wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Nun mag es ein Trost sein zu wissen, dass es anderen auch nicht besser geht. Zum hilfreichen Anstoß wird dieser allerdings erst dann, wenn die Erkenntnis dazu führt, sich mit Unternehmern anderer Branchen auszutauschen. Zu überlegen, welche neuen Wege bei den für alle ähnlichen Herausforderungen sinnvoll sein könnten. Der branchenübergreifende Austausch kann dabei mindestens so wegweisend sein wie das Gespräch mit Kollegen aus dem Gartenbau.

Norbert Elgner, Heppenheim

Ran an die Fische!

Hin und wieder macht es Sinn, auch mal über den Gartenzaun zu schauen. Denn abseits von den branchenintern lang und breit diskutierten Themen bilden sich Strukturen und Tendenzen, die der Gartenbau auch für sich nutzen kann – die Karikatur in dieser Ausgabe macht übrigens genau darauf auch aufmerksam.

Die Aquaponik ist ein weiteres Thema. Hier wächst fast unbemerkt von unserer Branche ein Bereich heran, der sich zwar der Techniken des professionellen Gartenbaus bedient, ihn aber direkt nicht miteinbezieht. Die Symbiose aus Fisch und Pflanze ist derzeit im Rahmen der Selbstversorgung und der „urbanen Landwirtschaft“ ein großes Thema bei den Hobbygärtnern und jungen Startunternehmen. In der letzten Ausgabe von DEGA GARTENBAU wurde ein Beispiel aus der Forschung vorgestellt, ein Projekt der Universität Rostock.

Einige pfiffige Firmen haben das mit der Aquaponik verbundene Potenzial erkannt und bieten Komplettpakete an oder arbeiten mit Fachkundigen aus der Branche zusammen. Die Forschung betrachtet das Thema derzeit aus dem Blickwinkel der Fischereiwirtschaft oder der alternativen Landwirtschaft. Im Mittelpunkt stehen hier Themen wie die Schonung von Ressourcen, die Versorgung der Bevölkerung mit lokal produzierten Nahrungsmitteln, die Überfischung der Weltmeere und die Überdüngung der Gewässer.

Das sind zum Teil Bereiche, die auch den professionellen Gartenbau berühren. Denn viele Betriebe sind derzeit bemüht, ihr umweltpolitisches Image mit geschlossenen Produktionskreisläufen, alternativen Energieträgern, einer biologischen Schädlingsbekämpfung und der lokalen Produktion zu verbessern. Warum nicht auch mit der Fischzucht in einer nachhaltigen und bei der Bevölkerung äußerst positiv besetzten Form? Womit sich darüber hinaus der Flächenertrag einer Gewächshausanlage verbessern und der Wertverlust gärtnerischer Produkte kompensieren ließe.

Peter Springer, Alfter

Schlagkraft erhöhen

Die Landesverbände Gartenbau in Baden, Württemberg und Hessen sowie das Rheinland und Westfalen werden im nächsten Jahr fusionieren – oder wie es die Beteiligten lieber ausdrücken: verschmelzen. Wie das geht, haben die Niedersachsen mit ehemals zwei Verbänden und die Norddeutschen, die mit Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern den gemeinsamen Nord-Verband bilden, vorgemacht. Auch Berlin und Brandenburg haben eine Vertretung für zwei Bundesländer.

Der Politik gegenüber lassen sich die doppelten Verbände in manchen Bundesländern schon lange nicht mehr erklären. Und fragt man mal die Landschaftsgärtner zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, die bereits vor zehn Jahren zusammengingen, hört man, dass sich die Schlagkraft der Interessenvertretung deutlich erhöht hat.

Jetzt ist es höchste Zeit, dass auch die Verbände, die noch allein auf weiter Flur vor sich hin arbeiten, darüber nachdenken, mit wem sie könnten und wollten. Viel gibt die Deutschlandkarte in Sachen Fusion allerdings nicht mehr her: Das Saarland und Rheinland-Pfalz würden räumlich recht gut zusammenpassen, gleiches gilt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Bayern bleiben wohl schon deshalb außen vor, weil im Freistaat eigene Regeln gelten und man mit einer exzellenten Zusammenarbeit mehrere grüner Verbände im eigenen Bundesland schon Vorbildliches leistet.

Rechnet man alle Möglichkeiten zusammen, käme Deutschland mit 8 anstelle der aktuell 15 Landesverbände aus. Macht das einen Bundesverband überflüssig? Auf keinen Fall! Auch wenn starke Landesverbände entstehen, wie jetzt gerade in Nordrhein-Westfalen, braucht es die Arbeit eines Zentralverbands Gartenbau auch künftig. Schließlich arbeiten die Verbände auf unterschiedlichen Ebenen.

Ein Berufsstand mit straffen Strukturen bis zur Basis wird mit Sicherheit schlagkräftiger und agiler in der Entscheidungsfindung. Nicht zuletzt sind gut aufgestellte Verbände mit zukunftsfähigen Strukturen ein gutes Mittel, um neue Mitstreiter für die Verbandsarbeit einzuwerben. Noch gibt es auch im Gartenbau so manchen Betrieb, der dafür infrage kommen würde.

Christiane James, Straelen

Nicht nur die neuen Medien lohnen

Neue Medien sind doch etwas Feines: Mal eben etwas schnell im Netz googeln, praktisch jede Information zu jeder Zeit zur Verfügung haben. Das Ganze gern auch mobil, immer schneller und immer bunter. Und auch ich sitze den ganzen Tag vor dem Bildschirm. Arbeiten ohne Mail und Internet ist eben heute nicht mehr denkbar.

Gleichzeitig gehöre ich zu denen, welche auch die alten Medien zu schätzen und zu nutzen wissen. Das hat handfeste Gründe: Informationen aus dem Internet sind nur so gut, wie ihre Quelle. Bei einem Fachbuch kann ich mich darauf verlassen, dass der Autor und der Verlag diese Informationen nach bestem Wissen geprüft haben. Bei Fachzeitschriften geht das noch weiter: Qualifizierte Redaktionen sammeln und sichten Informationen, gewichten sie und bieten ihren Lesern in gedruckten Ausgaben Extrakte mit den wichtigsten Inhalten an. Das tut das Netz nicht.

Wer schon einmal größere Recherchen im Internet erledigt hat, weiß, wie lange man suchen muss, und wie viel man lesen muss, um die gewünschten Inhalte nicht nur zu finden, sondern sie durch Gegenrecherchen auf ihren Gehalt hin zu prüfen. Die kostbare Zeit, die wir so mithilfe des Netzes sparen wollten, geht dabei schnell wieder verloren.

Nach wie vor geht bei mir ohne Fachbücher nichts, auch wenn die Menge im Laufe der Jahre geschrumpft ist – doch bestimmte Standardwerke sind für mich immer noch unverzichtbar. Sie sind es auch deshalb, weil ich gelernt habe, mit ihnen zu arbeiten. Ich weiß zum Beispiel, wie ich einen Index nutze und wo ich gesuchte Informationen finde. Geht es um Fachinformationen, bin ich mit den alten Medien schneller als mit dem Netz. Außerdem sind Bücher oder Zeitschriften immer zur Hand – den Rechner muss ich erst hochfahren.

Ich denke, wir müssen noch viel intensiver lernen, alte und neue Medien miteinander zu verknüpfen und mit beiden zu arbeiten. Ohne Internet geht es nicht, es ist aber auch nicht alles. Trotz vieler Überzeugungsversuche konnte mich bis heute noch niemand davon überzeugen, ein Handy mit Internetverbindung zu haben – ich kann mich gut ohne orientieren und auch einmal ein paar Tage ohne Netz sein. Die genieße ich dann gern mit „alten“ Medien wie zum Beispiel einer großen Wochenzeitung.

Christiane James, Straelen